In seinem Buch “Meine 40 Jahre in der deutschen Rockmusik” (Palmyra Verlag ISBN 978-3-930378-75-3) beschreibt Jean-Jacques Kravetz wie es dazu kam, dass er an Caro’s Comeback CD “Eternity” mitgearbeitet hat.
Caro und ich kennen uns eigentlich schon seit den Siebzigern; wir trafen uns gelegentlich bei diversen Events, konzerten und Partys, meistens im Onkel Pö. Aber näher kennengelernt habe ich sie erst auf unserer Aftershowparty nach einem Frumpy-Konzert 1990 in der Hamburger Großen Freiheit. Es entwickelte sich gleich ein sehr herzliches Gespräch zwischen uns, so dass wir auch weiter in Kontakt blieben. Caro ist einfach ein tolle Frau mit einer sehr positiven Ausstrahlung und unverkennbar eine Sängerin mit viel Feeling. Ihre Wurzeln liegen eindeutig in den Siebzigerjahren und sie ist stark von Blues- und Jazzeinflüssen geprägt. Während eines längeren Aufenthalts in den Südstaaten der USA hatte sie sich sehr viel mit dem Blues beschäftigt. Ich war schon 1978 sehr beeindruckt, als sie für ihre LP It’s Nothing But Higher mit der JCT Band den Deutschen Schallplattenpreis bekam. In den Achtzigern hatte sie dann einen Plattenvertrag bei der WEA. 1992 lud sie Inge und mich zu ihrer Hochzeit mit dem Rechtsanwalt Ulrich (Uli) Mizerski ein, der auch ein eigenes Plattenlabel hat. Dieses große Ereignisfand mitten im Hamburger Hafen auf dem Schiff Cap San Diego statt.
Danach haben wir uns wieder mal aus den Augen verloren. Das lag aber mehr an mir, weil ich in dieser Zeit viel unterwegs war. Vor etwa fünf Jahren trafen wir uns dann erneut, in meinem Heimatort Jesteburg auf dem Geburtstag des Toningenieurs Norbert Demski, der zu meinem engen Freundeskreis gehört. Im august 2003 wurde ich über Ute und Teddy Ibing – Teddy ist der Schlagzeuger der bekannten Countryband Truck stop – zur geburtstagsfeier von Caros Mann Uli eingeladen, der gerade vierzig wurde.
An diesem abend kam ich schließlich ausführlicher mit Caro ins Gespräch. Sie erzählte mir, dass sie seit ihrer Hochzeit und der Geburt ihrer beiden Kinder eigentlich keine Zeit mehr habe, künstlerisch tätig zu sein. Aber trozdem hätte sich über die Jahre viel Songmaterial bei ihr angesammelt, und vor Kurzem sei sie nach zehn Jahren wieder ins Studio gewesen, um fünf dieser songs aufzunehmen – zusammen mit dem Gitarristen Martin Scheffler und dem Bassisten Arnd Geise. Und genau dieses Material spielte sie mir dann vor, und ich wurde hellhörig, denn ich war sehr davon angetan. Ich sagte ihr, dass ich mit dieser Art Musik groß geworden bin, und natürlich habe ich mich auch gleich fachmännisch geäußert: ‘Die Aufnahmen schreien geradezu nach Orgel und Klavier!’. Darauf meinte sie ‘Kennst du vielleicht einen guten Pianisten und Organisten, den du mir empfehlen könntest? Denn wir wollen nächste Woche im VOX Klangstudio an den songs weiterarbeiten’. Sie traute sich wohl nicht, mich selbst deswegen anzusprechen. Meine antwort kam prompt: ‘Warum fragst du mich denn nicht?’ Da ist sie vor Freude fast vom Hocker gefallen und war erst einmal sprachlos. denn mit deisem angebot hatte sie überhaupt nicht gerechnet und konnte es zuerst gar nicht so richtig glauben.
Danach hatte sie zwei schlaflose Nächte und schließlich schrieb sie mir einen Brief, dem sie eine CD mit den fünf Songs beilegte. Mit dem Vermerk: Ich solle ihr mitteilen, wie teuer ich für diese Aufnahmesession wäre; da sie alle kosten der Platte selber zu tragen hätte, müsse sie nämlich sorgfältig kalkulieren. Daraufhin habe ich sie gleich angerufen und ihr gesagt, dass sie sich darüber keine Sorgen zu machen brauche, weil ich nämlich kein Geld nehmen wolle. Falls das album erfolgreich werden sollte, könnte man sich ja immer noch über das Finanzielle unterhalten. Ich hatte einfach Bock, mit ihr und Volker Heintzen einen schönen musikalischen Abend im Studio zu verbringen. Das Ganze passte sehr gut in meinem Terminplan, und das Studio war, wie bereits erwähnt, nur ein paar Minuten von meinem Haus entfernt. Das VOX Klangstudio ist mir natürlich sehr vertraut, da ich dort ja nicht nur das Mireille-Mathieu-Jubiläumsalbum aufgenommen, sondern später auch die CD zum dreißigjährigen Bestehen des Panikorchesters, Panikpräsident, mitproduziert habe. Das Studiogebäude befindet sich auf einem Filmgelände. früher war es ein Kino; Volker hat es 1985 erworben und komplett umgebaut. Davor hatte er über lange Jahre hinweg im Studio Maschen gearbeitet und war in den Siebzigern unter anderem für Randy Pie und Westernhagen als Toningenieur tätig. In seinem Studio in Bendestorf war alles vorhanden, was ein Keyboarder so braucht: eine Hammond B3, ein wunderschöner Konzertflügel, ein Fender Rhodes Suitcase Piano und vieles mehr.
An diesem ersten Studioabend mit Caro lernte ich Martin Scheffler unnd Arnd Geise kennen – zwei sehr gute Musiker und sympathische Typen. Die beiden sollten auch die Produzenten der Platte werden. Ich weiß noch wie heute, dass ich viel Spaß und Freude bei dieser Session hatte, und ich wollte nicht ohne CD nach Hause. Ich war mir sicher, dass eine Fortsetzung folgen würde. am nächsten Morgen beim Frühstück spielte ich Julien gleich mal die Songs vor und merkte sofort, dass ihn das ansprach – zumal ich wusste, dass er sich gerade die neue Scheibe von Norah Jones gekauft hatte und sich unter anderm auch für diese Art Musik interessierte. Deshalb habe ich ihn einfach gefragt, ob er nicht Lust hätte, das nächste Mal mit uns zusammen zu jammen. Ich freute mich total, als er zusagte.
Zwei Tage später fuhren wir gemeinsam zu Caro. Da warteten schon die anderen auf uns, und ich war etwas aufgeregt, denn ich war sehr gespannt, wie wohl der Bassist Arndt mit Julien klarkommen würde: In jeder Band bilden bekanntlich immer Bass undd Schlagzeug das Fundament und den Motor des Ganzen. doch später an diesem Tag fühlte ich mich wirklich wie im siebten Himmel: Ich entdeckte in Juliens Spielweise Qualitäten, von denen ich bisher noch gar nichts gewusst hatte. Und am Ende sagte auch noch Arnd zu ihm ‘Julien, es macht roichtig Spaß, mit dir zu spielen.’ Etwas Ähnliches kam auch von Martin rüber, und ich war vor Freude einfach sprachlos.
Von da an begannen wir gemeinsam an den Songs zu arbeiten – fünf sollten noch arrangiert und bearbeitet werden. Dann konnten wir wieder ins Studio gehen, um das Projekt abzuschließen. Nachdem auch Pascal die Songs gehört hatte, ließ er sich sehr schnell von alledem anstecken, und so kam er zur nächsten Probe gleich mit. Caro hatte bei ihrem Song Mister Moon vorgeschwebt, ihn im Duett mit Carl Carlton zu singen. Das kam aber nicht zustande, weil Carl einfach keine Zeit hatte. Und so wurde diese Nummer gleich das erste Stück, das Caro und Pascal zusammen ausprobierte: Und was für ein Ergebnis! Die beiden Stimmen passten ja so was von gut zusammen – das war einfach erstaunlich. am nächsten Tag brachte Pascal noch sein Akkordeon mit und verpasste dem Song ein tolles solo im Cajun-Stil. Von nun an brachte er sich immer mehr in die Band ein. Er beschäftigte sich auch mit dem Chorarrangement – da ist er sowieso ein Weltmeister.
Nun spielten also plötzlich Julien, Pascal und ich gemeinsam in einer Band – dank Caro. So etwas hatte ich mir bis dahin nie träumen lassen. Bald darauf sind wir wieder im VOX Klangstudio eingelaufen, um die restlichen Songs einzuspielen. Es herrschte wirklich eine sehr familiäre Atmosphäre – im wahrsten Sinne des wortes. Für Julien war es die allererste Plattenaufnahme überhaupt, und Pascal und ich waren von der Partie – was für ein Glück. Ende November 2004 war diese in meiner musikalischen Laufbahn bisher einzigartige Ausnahmeproduktion beendet. sie erschien im Juli 2005 unter dem Titel Eternity. Vier Wochen später folgte eine schöne Präsentation in einem Hamburger Club, und die Platte wurde in diversen Musikzeitschriften als Album des Monats präsentiert. Fazit: Es macht einen riesigen Spaß, in dieser Konstellation mit Caro musikalisch zusammen zu erbeiten.
Inzwischen ist auch eine tiefe Freundschaft zwischen uns entstanden, wir treffen uns sehr oft und sind ein große Familie geworden. Ich bewundere auch ihre ganze Ausstrahlung: Ich habe selten eine 47-jährige Frau gesehen, die locker für 35 durchgehen könnte. Ebenso bewundere ich ihren Lebenspartner Uli, der nicht nur Rechtsanwalt ist – inzwischen unter anderem auch meiner ,, sondern auch das ganze Management für Caro und die Band erledigt. Er ist immer bis spät in die Nacht ansprechbar, und oft schon habe ich mich gefragt, wann er überhaupt schläft. Aber anscheinend brauchen glückliche Menschen wirklich weniger Schlaf.
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